Schlagwort: Notar

Wer ist für die Regelung eines französischen Nachlasses zuständig?

Stirbt ein Erblasser in Frankreich, so richtet sich die Regelung seines Nachlasses grundsätzlich nach französischem Recht, auch wenn der Erblasser nicht Franzose war. Das ergibt sich aus der europäischen Erbrechtsverordnung von 2012, die seit dem 17. August 2015 gilt (Verordnung (EU) Nr. 650/2012 vom 4. Juli 2012).

Doch wer ist in Frankreich für die Regelung eines Nachlasses zuständig? Die Regelung von französischen Nachlässen erfolgt regelmäßig durch den Notar (notaire). Das Gesetz sieht aber keine allgemeine Zuständigkeit der Notare für die Regelung von Nachlässen vor. Vielmehr können die Erben den Nachlass auch selbst regeln, wenn nicht bestimmte Handlungen erforderlich sind, die nur von einem Notar vorgenommen werden können. Das ist in der Praxis allerdings nahezu immer der Fall.

Zwingend notwendig ist die Einschaltung eines französischen Notars, wenn sich im Nachlass eine französische Immobilie befindet. Zwar werden die Erben mit Eintritt des Erbfalls Eigentümer der Immobilie. Auf dieses Eigentum können sie sich aber gegenüber Dritten erst berufen, wenn die Grundverwaltung (service de la publicité fonciére) ihren Eigentumserwerb eingetragen hat. Dies tut sie nur gegen Vorlage einer Bescheinigung über Immobilieneigentum (attestation de propriété immobilière), die nur der Notar erstellen und bei der Grundverwaltung einreichen kann.

Hat der Erblasser ein handschriftliches Testament (testament olographe) oder ein sogenanntes mystisches Testament (testament mystique) errichtet, so kann dieses Testament nur ausgeführt werden, wenn es einem Notar übergeben worden ist. Das mystische Testament ist ein handschriftliches Testament, dass verschlossen bei einem Notar hinterlegt wird.

In den meisten Fällen wird die Einschaltung eines Notars aber schon deshalb notwendig sein, weil die Erben eine sogenannte Offenkundigkeitsurkunde (acte de notoriété) benötigen, die vom Notar errichtet werden muss. Diese Urkunde weist die Erbenstellung nach und ist deshalb dem Erbschein vergleichbar. Dieser Nachweis wird gegenüber Stellen benötigt, die im Besitz von Nachlassgegenständen sind, also z.B. gegenüber Banken, bei denen der Erblasser ein Konto unterhielt. Das Guthaben wird nur gegen Vorlage der Urkunde ausgezahlt und das Konto geschlossen. Nicht erforderlich ist eine Offenkundigkeitsurkunde nur dann, wenn der Nachlass weniger als EUR 5.000,00 umfasst. In diesem Fall können die Erben selbst eine Erklärung errichten, die an die Stelle der Offenkundigkeitsurkunde tritt.

Ist die Hinzuziehung eines Notars erforderlich, so sind die Erben bei der Wahl eines Notars frei. Erforderlichenfalls können sie auch einen einmal beauftragten Notar wechseln, z. B. weil der Notar kaum Auskünfte erteilt. Zumeist genügt es dann aber, einen französischen Rechtsanwalt mit der Abwicklung des Nachlasses zu beauftragen, der dann die Kommunikation mit dem Notar übernimmt.

Sie benötigen Unterstützung bei der Regelung eines französischen Nachlasses? Sprechen Sie uns an, wir unterstützen Sie gerne. Rechtsanwalt Dr. Mittmann ist auch in Paris zugelassener Rechtsanwalt (Avocat à la Cour).

Achtung: Dieser Beitrag enthält nur allgemeine Hinweise und ersetzt keinesfalls eine Beratung im Einzelfall. Dieser Beitrag gibt die Rechtslage zum Zeitpunkt seiner Erstellung wieder, spätere Änderungen der Rechtslage sind nicht berücksichtigt. Sprechen Sie uns an!

Kosten eines Immobilienkaufs oder -verkaufs in Frankreich

Beim Kauf einer Immobilie in Frankreich fallen, ebenso wie in Deutschland, neben dem eigentlichen Kaufpreis eine Reihe von Kosten an.

Wie in Deutschland werden Immobilientransaktionen häufig von Maklern (agents immobiliers) begleitet, die bei Zustandekommen des Vertrags eine Vermittlungsvergütung (provision) erhalten. In Frankreich ist weder die Höhe dieser Vergütung, noch wer sie zu zahlen hat geregelt. Üblich sind Provisionen zwischen 5% und 10%. Als Käufer muss man diese Provision in der Regel hinnehmen. Als Verkäufer kann es sich lohnen, unterschiedliche Angebote einzuholen, um dann das Günstigste auszuwählen.

Die für die notarielle Beurkundung anfallende Vergütung des Notars (émoluments) richtet sich nach einer Gebührenordnung, von der in der Regel nicht abgewichen werden darf. Die Vergütung entspricht einem Prozentsatz des Kaufpreises, wobei der Prozentsatz gestaffelt auf Teilbeträge des Kaufpreises angewendet wird und mit steigendem Kaufpreis sinkt: Für die ersten EUR 6.500,00 beträgt der Prozentsatz 3,945% und sinkt dann stufenweise auf 0,814%. Überschlägig kann von Notarkosten in Höhe von etwa 1% des Kaufpreises ausgegangen werden.

Der Kauf einer Immobilie unterliegt außerdem der Grunderwerbssteuer (droit de mutation immobilière). Bemessungsgrundlage ist der Kaufpreis der Immobilie; die Steuerverwaltung kann aber einen höheren Betrag zugrunde legen, wenn Sie der Meinung ist, der Verkehrswert (valeur vénale) liege über dem Kaufpreis. Der Steuersatz beträgt derzeit zumeist circa 5,8%.

Schließlich kann beim Verkäufer eine Wertzuwachssteuer (impôt sur la plus-value) anfallen. Die Steuer setzt allerdings voraus, dass ein Wertzuwachs eingetreten ist, dass also die Immobilie teurer verkauft wird, als sie gekauft wurde. Auch dann fällt aber nicht stets Wertzuwachssteuer an. Nach einer Haltedauer von 30 Jahren ist ein Wertzuwachs nicht mehr zu versteuern, gleich wie hoch er ist. Bei einer kürzeren Haltedauer sinkt der Steuersatz von zunächst 34,5% stufenweise ab.

Nur in besonderen Konstellationen kann außerdem Umsatzsteuer anfallen.

Sie überlegen, eine Immobilie in Frankreich zu kaufen oder zu verkaufen und benötigen dabei rechtliche Unterstützung? Sprechen Sie uns an, wir beraten Sie gerne.

Achtung: Dieser Beitrag enthält nur allgemeine Hinweise und ersetzt keinesfalls eine Beratung im Einzelfall. Dieser Beitrag gibt die Rechtslage zum Zeitpunkt seiner Erstellung wieder, spätere Änderungen der Rechtslage sind nicht berücksichtigt. Sprechen Sie uns an!

Abwicklung eines Erbfalls in Frankreich

Stirbt ein Angehöriger mit letztem Wohnsitz in Frankreich oder hatte der Erblasser in Frankreich eine Immobilie, so hat der Nachlass einen Bezug zu Frankreich. Nach Eintritt des Erbfalls müssen die Hinterbliebenen Folgendes beachten:

Die Hinterbliebenen müssen die Regelung des Nachlasses zunächst selbst in die Hand nehmen. Es kommt keine französische Behörde auf sie zu. Zuständig für die Regelung von Nachlässen ist der Notar (notaire). Obwohl der Notar öffentliche Aufgaben wahrnimmt, handelt er im Auftrag der Hinterbliebenen. Die Hinterbliebenen haben insbesondere die freie Wahl des Notars. Wenn sie mit einem Notar nicht zufrieden sind, können sie ohne Probleme den Notar wechseln.

Ist ein Notar beauftragt, so regelt er den Nachlass. Das dauert in der Regel einige Jahre und kann auch ohne weiteres länger als ein Jahrzehnt dauern. Als besonders schwierig erweist sich in der Praxis die Kommunikation mit dem Notar. Französische Notare beantworten Fragen von Normalbürgern schleppend oder gar nicht. Dagegen kommunizieren sie mit dem Anwalt der Hinterbliebenen problemlos. In der Regel ist es deshalb kaum zu vermeiden, einen Rechtsanwalt einzuschalten.

Besondere Aufmerksamkeit müssen die Hinterbliebenen der Bezahlung der Erbschaftsteuer widmen. Diese ist grundsätzlich innerhalb von 6 Monaten ab Eintritt des Erbfalls zu entrichten. Das ist in der Regel praktisch kaum möglich, weil zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht bekannt ist, wieviel zu versteuerndes Vermögen vererbt wurde. Trotzdem gilt die Frist uneingeschränkt und es fallen Säumniszuschläge an, die schnell stark ansteigen. Um das zu vermeiden, sollte eine Vorauszahlung geleistet werden. Zwar kommt es auch vor, dass die Säumniszuschläge nicht eingefordert werden. Darauf kann man sich aber nicht verlassen; gerade hohe Säumniszuschläge werden beigetrieben.

Bei der Abwicklung eines Nachlasses in Frankreich sind viele rechtliche Vorgaben zu beachten. Wir unterstützen unsere Mandanten seit vielen Jahren bei dieser Aufgabe.

Achtung: Dieser Beitrag enthält nur allgemeine Hinweise und ersetzt keinesfalls eine Beratung im Einzelfall. Sprechen Sie uns an!